Newsletter des Kaninchenschutz e.V. - August 2018

09.08.2018

           

Liebe Leserinnen und Leser unseres Newsletters,

der Sommer 2018 lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Es ist heiß! Die Suche nach Abkühlung stellt jeden Tag eine neue Herausforderung dar. Haben Sie ein schattiges, kühles Plätzchen gefunden, bieten wir hier nun eine unterhaltsame und interessante Lektüre zum Verweilen.

Erfahren Sie etwas über das Schicksal unseres Patenkaninchens Peer und wie er in seiner Pflegestelle bei Claudia S. lebt. Zudem räumen wir mit dem Irrglauben auf, dass Kaninchen kein Getreide fressen sollten - das dürfen sie nämlich! Warum? Lesen Sie weiter ....

Viel Spaß beim Lesen wünscht der
Kaninchenschutz e.V.

Patenkaninchen Peer Mücke

Der kleine Widder Peer Mücke zog im Juni 2018 in seiner Pflegestelle bei Claudia S. ein. Zusammen mit Kläuschen stammt er aus einem Privathaushalt, in dem er sein gesamtes bisheriges Leben in einem winzigen Käfig verbracht hatte.

Peer Mücke ist etwa 1,5 Jahre alt und leidet unter einer starken chronischen Erkrankung, die dringend eine tierärztliche Versorgung erforderlich machte. Da Peers bisherige Besitzer mit seiner Pflege überfordert waren, baten sie um Hilfe.

Direkt nach seinem Einzug musste Peer aufgrund eines großen Kieferabszesses operiert werden. Die Beule war auf der betroffenen Kieferseite deutlich zu sehen, sie ging leider beim Anfassen spürbar unter dem Kiefer auch auf der anderen Seite weiter. Die Chance, dass der kleine Peer die zweistündige Operation überlebte, standen nur 50:50. Peer erhielt durch seinen kritischen Gesundheitszustand sofort vom Vorstand des Kaninchenschutzes e.V. die Notfallerstversorgung und seine Pflegestelle Claudia damit die Kostenübernahme für die notwendige tierärztliche Versorgung.

Mit großem Glück überlebte Peer die Operation. Leider wurden dabei jedoch weitere dramatische Probleme bekannt: Neben dem Kieferabszess leidet Peer unter großen Zahnproblemen. Die oberen Schneidezähne rollen sich in das Mäulchen ein und stehen versetzt zu den unteren, geradeaus hochwachsenden Zähnen. Ein bereits abgebrochener Schneidezahn wurde direkt während der Operation gezogen, von dessen Zahnwurzel gab es bereits eine Verbindung zum Kieferabszess. Links unten hat Peer damit nun gar keine Zähne mehr. Sein Kiefer hielt, ist aber stark verknöchert.

Peer hatte nach der Operation eine riesige, zweigeteilte Wunde - eine Knochenbrücke. Seine Kieferstabilität ist weiterhin extrem gefährdet, so dass Claudia die Wunde äußerst vorsichtig versorgen muss.

Peers gesundheitliche Prognose ist leider nicht gut. Durch die bisher nicht fachgerechte Behandlung ist wertvolle Zeit verstrichen. Der kleine Peer wird dauerhaft in Behandlung bleiben müssen, seine Zahnprobleme werden früher oder später wieder für Abszesse sorgen, zumal auch im Oberkiefer die Zahnwurzeln eng beieinanderstehen. Wenn Peer Glück hat, passiert das erst in zwei Jahren, mit Pech bereits in 6 Monaten. Aufgrund Peers Kieferinstabilität wird der dann auftretende Abszess nicht mehr operabel sein.

Doch Peer hatte kein Glück. Bereits zwei Wochen nach der großen Operation entwickelte sich innerhalb von wenigen Tagen unter seiner Zunge zur anderen Seite hin ein neuer Abszess. Trotz der geringen Überlebenschancen versuchte die Tierärztin die riskante Operation. Würde es sich jedoch um einen Weichteilabszess ohne Zugang nach außen handeln, würde die Tierätzin Peer schlafen und nicht mehr aus der Narkose aufwachen lassen. Die Operation wurde ein paar Tage nach dem Tierarztbesuch angesetzt. 

Um Peer bis dahin noch ein möglichst kaninchengerechtes Leben zu ermöglichen, beschloss Claudia, ihn in den nächsten Tagen stundenweise bei angenehmen Temperaturen im Gartenauslauf auf die Wiese zu setzen und ihn dort hoppeln zu lassen. Peer hatte in seinem Leben 18 Monate lang nur die Enge eines Käfigs kennengelernt - und seine Lebenszeit wäre vermutlich in ganz wenigen Tagen zu Ende. Wenigstens einmal in seinem Leben sollte er Gras unter seinen Pfötchen spüren und nach Herzenslust hoppeln können.

Peer war zunächst von der großen Fläche in seinem Freigehege völlig überfordert - dann aber sprang er herum, schlug voller Lebensfreude Häkchen, machte Luftsprünge und knabberte Wiese! Es war wunderschön zu beobachten. Peer ist absolut zutraulich und anschmiegsam und lief Claudia immer wieder hinterher, wenn er schmusen wollte. Claudia ging auf ihn ein und versuchte, ihm bis zu seiner Operation einfach jeden Tag viel schöne Zeit zu verschaffen.

Wieder schaffte Peer, was selbst seine Tierärztin kaum geglaubt hatte: Er überlebte auch diese zweite Operation. Auch wenn er nun unten keine Schneidezähne mehr hat und sein Kiefer absolut instabil ist - sein Lebenswillen ist stärker. Und bei Claudia darf er weiterhin jeden Tag seine geliebte Wiese genießen, solange das möglich ist.

Außerdem wurde Peer mit Malte und Schorschi vergesellschaftet. Am Anfang schwankte Peer zwar zwischen Panik und dem Wunsch zum Kuscheln, aber schon nach kurzer Zeit ging er neugierig zu den beiden entspannt liegenden Kaninchen hin und kuschelte sich an sie. Dann klopfte und fiepte er zwar und rannte weg - aber schnell gewöhnten sich alle drei aneinander. Der tapfere kleine Peer wirkt unglaublich fröhlich und neugierig, nicht mehr traurig, und sucht immer wieder die Nähe der beiden ruhigen anderen. Schorschi darf ihm dann das Köpfchen putzen - und der schmusebedürftige Peer genießt das sehr.

Durch seinen extrem kritischen Gesundheitszustand und die leider sehr schlechte Prognose erhielt Peer Mücke im Juli 2018 den Kaninchenschutz-Status, so dass die Kosten für seine medizinische Versorgung bei Claudia weiterhin übernommen werden. Wir wünschen dem kleinen Peer Mücke noch eine möglichst lange Zeit voller Lebensfreude auf seiner Wiese!

Peer ist unser "Patenkaninchen des Monats". Mehr über ihn finden Sie auf unserer Homepage.
 

Mythos: Kein Getreide in der Kaninchenernährung?

Es wird auch heutzutage noch von vielen Seiten propagiert: Getreide ist kein geeignetes Nahrungsmittel für Kaninchen. Doch was führt noch immer zu dieser Annahme?

Dabei werden unter anderem folgende Begründungen genannt:
  • Getreide zählt nicht zur natürlichen Nahrung von Kaninchen
  • Getreide enthält zu viel Stärke und führt zur Gewichtszunahme
  • Getreide verursacht Zahnfehlstellungen und überschießendes Zahnwachstum
  • Getreide verursacht Durchfall, Aufgasungen und weitere Verdauungsprobleme

Doch was stimmt? Sehen wir uns die Punkte kurz im Einzelnen an:

Annahme 1: Getreide zählt nicht zur natürlichen Nahrung von Kaninchen

Diese Behauptung ist nicht richtig. Wildlebende Kaninchen ernähren sich je nach Vegetationsperiode zwar vorwiegend von Gräsern und in geringerem Maße von Kräutern, Sträuchern, Rinden usw., jedoch steht auch Getreide auf ihrem Speiseplan. Dies ist auch leicht nachvollziehbar, denn besonders dann, wenn die verschiedenen Getreidesorten im Sommer und Herbst erntereif werden, beginnen die Kaninchen, sich mit ausreichend Energie (und hierzu gehören auch gewisse Fettreserven) für den kargen Winter zu versorgen. Dabei bevorzugen sie besonders energiereiche Futtermittel wie Saaten – wozu auch Getreidekörner zählen. Getreidesorten sind nichts anderes, als vom Menschen auf hohen Ertrag und teilweise sehr gute Backeigenschaften gezüchtete Süßgräser. Und diese werden von Kaninchen in ihrer natürlichen Umgebung bevorzugt gefressen.

Annahme 2: Getreide enthält zu viel Stärke und führt zur Gewichtszunahme

Hier sollte man zunächst betrachten, was Stärke eigentlich ist: Bei Stärke handelt es sich um ein Polysaccharid (Mehrfachzucker), welches durch Enzymspaltung während des Verdauungsvorgangs in Glucosemoleküle (Traubenzucker) zerlegt wird und dem Kaninchen so zur Energiegewinnung zur Verfügung steht. Stärke ist damit ein Energieträger. Das ist erst einmal keine schlechte Eigenschaft, denn jeder Organismus benötigt Energie zum Überleben. Problematisch wird ein Überschuss an Stärke erst dann, wenn die Aufnahme und der Verbrauch an Energie nicht mehr aneinander angepasst ist. Steht dem Organismus zu viel Energie in Form von Glucose zur Verfügung, so wird diese als Glykogen u.a. in der Leber gespeichert. Das Kaninchen kann auf mittel- bis langfristige Sicht verfetten, wenn die überschüssige Energie nicht vom Körper „abgerufen“ – also nicht benötigt – wird.

Hier ist also nicht explizit das Getreide das Problem, sondern eine unangepasste Fütterung energiereicher Futtermittel (wozu auch frische Süßgräser, junge Kräuter und viele Gemüsesorten zählen). Grundsätzlich sollte man sich bewusst machen, dass wildlebende Kaninchen auf energiereiche Nahrung angewiesen sind und sich diese in der entsprechenden Vegetationsperiode natürlich auch zunutze machen. Hier ist der Tierhalter gefragt, ein angepasstes Verhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch in der Fütterung seiner Hauskaninchen herzustellen.

Anmahme 3: Getreide verursacht Zahnfehlstellungen und überschießendes Zahnwachstum

Häufig wird Getreide - auch bereits in geringen Mengen - für überschießendes Zahnwachstum (durch zu viel aufgenommene Energie mit geringen Mengen an Futter) und auch für Zahnfehlstellungen verantwortlich gemacht. Fakt ist, dass Getreide mit durchschnittlich einem fünffach höheren Phosphor- als Calciumanteil ein unausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis enthält. Ein ideales Calcium-Phosphor-Verhältnis liegt jedoch bei 1:1,5 (Calcium : Phosphor). Eine dauerhaft zu hohe Aufnahme von Phosphor kann zu negativen Auswirkungen auf den Knochenbau und somit auch zur Instabilität des Kiefers und der Zahnfächer sowie einer ungenügenden Mineralisierung der Zähne führen. Zudem fördert die Struktur von Getreide eine Fehlbelastung des Kiefers beim Zerkauen der Körner. Die Körner werden nicht zermahlen, sondern vielmehr „geknackt“; dies kann zu einer ungünstigen Kraftverteilung auf den Kiefer führen. Zu beachten ist allerdings, dass dieser Effekt nicht bei gelegentlichen geringen Mengen, die als Ergänzung des Speiseplans gegeben werden, auftritt, sondern vor allem bei der Ernährung von Kaninchen mit einem stark getreidehaltigen Trockenfutter als Hauptnahrung. Diese Ernährungsform ist eindeutig nicht zu empfehlen.

Annahme 4: Getreide verursacht Durchfall, Aufgasungen und weitere Verdauungsprobleme

Kaninchen sind sogenannte „Blinddarmfermentierer“. Das bedeutet, dass sie durch ihren sehr großen Blinddarm in der Lage sind, aus verhältnismäßig nährstoffarmer Nahrung noch genügend Nährstoffe aufzunehmen und für sich verfügbar machen zu können. Dies ist besonders in der kargen Jahreszeit für wildlebende Kaninchen von großer Bedeutung. Verdauungsprobleme haben vielfältigste Ursachen; häufig ist aber eine Dysbakterie, also ein Ungleichgewicht in der Blinddarmflora des Kaninchens, zumindest mitverursachend. Weitere Gründe können Stress, Parasiten oder bisher unentdeckte Primärerkrankungen sein.

Eine übermäßige Aufnahme von Getreide kann durch den hohen Stärkeanteil eine Fehlbesiedelung mit Blinddarmbakterien begünstigen, da sich viele – besonders auch „ungute“ - Darmbakterien von Glucose ernähren. Wird also von den Kaninchen ein hoher Getreideanteil in der Nahrung aufgenommen und werden gleichzeitig nicht genügend frische und rohfaserreiche Futtermittel gereicht, kann es zu verlangsamter Verdauung, einem zu langen Verweilen einzelner Nahrungsbestandteile im Darm und somit auch zu verschiedenen Verdauungsproblemen wie zum Beispiel Aufgasungen kommen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Getreide nicht als Hauptnahrung angesehen werden sollte. Futtermittel mit einem hohen Getreideanteil – und vor allem mit solchen Sorten, die eine ungünstige und für das Kaninchen eher schwer verdauliche Kombination an Klebereiweißen enthalten (z.B. Weizen oder Roggen) – sollten grundsätzlich nicht verfüttert werden. Idealerweise wird Getreide möglichst naturbelassen mit Spelz oder an der Ähre angeboten, so dass die Kaninchen sich die stärkehaltigen Körner erst erarbeiten müssen. Ist es notwendig, ein Kaninchen nach einer Krankheit oder aufgrund von Untergewicht "aufzupäppeln", bieten sich gut verdauliche Haferflocken an. Auch als Leckerei werden diese von den Tieren zwischendurch gern angenommen.
 

Mitgliederversammlung des Kaninchenschutz e.V.

Am 21.07.2018 fand unsere diesjährige Mitgliederversammlung statt. Diesmal waren wir in Erfurt im Galli-Theater zu Gast und verbrachten den Nachmittag bei wechselhaftem Wetter, aber guter Stimmung und mit konstruktiven Ideen.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurden zwei Vorstandspositionen neu gewählt: Jacqueline Emonts-Pool verlässt den Vorstand, zur neuen Mitgliederbetreuerin wurde Carmen Zahner gewählt. Andreas Metschulat bleibt als Kassenwart auch für die nächsten zwei Jahre in seiner Funktion.

Die 5 Vorstandspositionen werden im Wechsel alle zwei Jahre gewählt. Wir danken Jacqueline ganz herzlich für ihre engagierte Unterstützung und wünschen Carmen und Andreas viel Erfolg!

Den aktuellen Vorstand des Kaninchenschutz e.V. bilden:
 
    1. Vorsitzende: Claudia Müller
    2. Vorsitzende: Anja Schade
    Schriftführerin: Tanja Begerow
    Mitgliederbetreuerin: Carmen Zahner
    Kassenwart: Andreas Metschulat


(von links: Tanja Begerow, Carmen Zahner, Andreas Metschulat, Claudia Müller, Anja Schade)

Aktionen des Kaninchenschutz e.V.

Veranstaltungen des Kaninchenschutz e.V.

Alle künftigen Veranstaltungen sind auch auf unserer Homepage zu finden. Und wer Interesse an einem Stammtisch zum Austausch mit anderen Kaninchenfreunden hat: In unserem Vereinsforum werden immer wieder Stammtische an verschiedenen Orten geplant.

Artnahes Futter für Kaninchen und Co.!

Bei der Bestellung über diesen Link erhält der Kaninchenschutz e.V. eine Provision. Unter anderem findet sich im Shop die von unserem Verein erstellte, auf die Bedürfnisse von Kaninchen angepasste Mischung Kaninchenschutz e.V. Knusperschmaus.

           

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