Das Mädchenturnen bewegt mehr als den Körper, ist sich Olivia Enderle sicher. Sie ist ein „Eigengewächs“ des TSV, das schon mit sechs Jahren anfing zu turnen. Als es vor Jahrzehnten keine Trainerin mehr für die TSV Mädchen gab, sprang sie beherzt ein und erwarb die nötigen Kompetenzen. Mit ihrem Vater, Fred Enderle, ebenfalls verdienter TSV Leistungsturner, betreut die 37-jährige seitdem die „Turnmädels“. Für sie ist das Team das wichtigste, auch wenn Turnen eine Individual-Sportart ist.
In ihren Gruppen tummeln sich die unterschiedlichsten Charaktere zwischen 11 und 19 Jahren. Deshalb nennen sie sich die Berghausener „Unicorns“, nach den eigenwilligen Einhörnern. Trotzdem raufen sie sich zusammen, weil sie ein gemeinsames Ziel haben: ihre Choreografien am Balken, beim Sprung und am Boden oder Stufenbarren zu erweitern und bei Wettkämpfen möglichst gut abzuschneiden. Dafür kommen sie gern zum Training, das für manche fast ein zweites Zuhause ist. Dort können sie Probleme außen vorlassen – oder mit Olivia besprechen.
Turnen mit Anspruch
Im Leistungsturnen sind nur Mädchen, die Erfahrung im Geräteturnen haben. Geturnt wird in drei reinen Mädchengruppen der Leistungsklassen LK 2, 3 und 4, die sich in den Anforderungen unterscheiden. Die einen konzentrieren sich am Schwebebalken auf Rolle, Rad und Bogengang, die anderen kombinieren das mit Drehungen und Sprung. Sie bestreiten erfolgreich Wettkämpfe in der badischen Turn Liga, die LK 3 Gruppe ist gerade von der Regio- in die Bezirksklasse aufgestiegen. In der vierten Turngruppe trainieren ehemalige Leistungsturnerinnen und –turner unter sich und eigenständig – ohne Trainer aus reinem Spaß an der Freude.
Für Olivia Enderle ist die nebenberufliche Aufgabe genauso wichtig wie ihr Job als Erzieherin. Sie begleitet ihre „Mädels“ gerne bei den Herausforderungen im Sport. Manchmal, wenn die jungen Frauen wachsen, läuft gar nichts mehr. „Dann geben wir ihnen Halt und ermutigen sie“, sagt Olivia. „Da müssen sie durch. Nach ein paar Wochen funktioniert alles wieder. Solche Phasen gibt es im ganzen Leben. Es ist eben nicht immer alles flauschig. Das lernen sie dabei.“
Mehr als Sport
Die Trainerin wird von ehemaligen Teamkolleginnen auch Rosaline genannt, nach der Figur im Spiel Mario Kart, die mütterliche, sanfte und sehr schöne Beschützerin der Lumakreaturen. Das sagt auch etwas aus über die Beziehung zwischen Olivia Enderle und ihren Schützlingen, die für sie an erster Stelle stehen. Das spüren die Mädchen. Sie genießen nicht nur das Training und die Wettkämpfe. Sie fahren zusammen jeden März zum DTB Pokal in Stuttgart und lassen sich von den Profiturnerinnen inspirieren. Manchmal vergnügen sie sich im Trampolinpark in Singen oder beim Jugendstammtisch des TSV. In Vereins-Workshops lernen sie, selbst ihre Übungen zusammenzustellen.
Bei 22 Mädchen ist es wichtig, Aufgaben zu delegieren, nicht alles alleine zu stemmen, das hat Olivia Enderle als TSV-Aktive gelernt. Und – dank der Mädchen ist sie geduldiger und ruhiger geworden.
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