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Kultursaat - Newsletter April 2025

Liebe Leserinnen und Leser,

unübersehbar ist der Frühling eingezogen. Mit frischer Kraft und Motivation starten Kultursaat-Züchter in die Anbausaison, ziehen Jungpflanzen vor, bearbeiten den Boden und pflanzen frostsicher überwinterte Elitepflanzen zweijähriger Kulturen für die Saatgutgewinnung.

Gleichzeitig ziehen im politischen Brüssel dunkle Wolken für die Befürworter einer gentechnikfreien Landwirtschaft auf. Eine Reform der EU-Gentechnikgesetzgebung sieht vor, Pflanzen, die mit neuartigen gentechnischen Verfahren wie CRISPR-Cas entstanden sind, von der derzeit geltenden strengen Regulierung auszunehmen. Lesen Sie in den unten stehenden Meldungen über den aktuellen Stand des Gesetzgebungsverfahrens und erfahren Sie, wie Sie aktiv werden können.

Kultursaat-Züchterinnen und -Züchter lassen sich von der drohenden Aufweichung des Gentechnikrechts nicht entmutigen. Ganz im Gegenteil: die Bedeutung einer starken, konsequent gentechnikfreien Ökopflanzenzüchtung war nie größer! Unten stehend weisen wir auf die jüngste Ausgabe der Zeitschrift Gemüse, in der über ein spannendes Kooperationsprojekt zur Grünkohl-Züchtung unter der Leitung von Kultursaat berichtet wird. Auch in der Zeitschrift Ökologie & Landbau (1/2025) geht es um Ökopflanzenzüchtung. Dabei liegt der Fokus auf einem schmerzlichen Hemmnis, nämlich der chronischen Unterfinanzierung derselben. Die Autorin kommt zu dem Fazit: „Höchste Zeit, das zu ändern“.

Ankündigungen von Veranstaltungen finden Sie wie gewohnt am Ende dieses Newsletters sowie auf unserer Website.

Mit hoffnungsfrohen Frühlingsgrüßen
Ihr Kultursaat-Team
 

Gentechnikfreie Landwirtschaft schützen

Der Ministerrat der EU hat sich am 14. März 2025 auf eine Position zur Deregulierung von Gentechnik-Pflanzen geeinigt und folgt damit dem von der EU-Kommission im Juli 2023 vorgelegten Vorschlag. Demnach sollen Pflanzen, die mit neuen gentechnischen Verfahren hergestellt werden, vom EU-Gentechnikrecht ausgenommen werden. Risikoprüfung, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit sollen für diese Pflanzen wegfallen. Das EU-Parlament hatte allerdings im Februar 2024 für eine Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit der neuen Gentechnikprodukte gestimmt und ein umfassendes Verbot von Patenten gefordert. Mit der Ratsposition tritt das EU-Gesetzesverfahren nun in eine neue Phase. Die Trilogverhandlungen zwischen Rat, Parlament und Kommission können bald beginnen. Dabei müssen sich Parlament und Ministerrat auf einen gemeinsamen Text verständigen, über den beide Institutionen am Ende noch einmal final abstimmen.

Im Februar hatten über 200 Unternehmen, Verbände und Organisationen eine gemeinsame Stellungnahme gegen die Gentechnik-Deregulierung verfasst. Entsprechend scharf fiel die Kritik zur im März festgelegten Ratsposition aus.

Umwelt- und Bioverbände sowie Organisationen der gentechnikfreien Landwirtschaft hoffen nun darauf, dass die Unterhändler des EU-Parlaments im anstehenden Trilog an den Positionen des Parlaments zur Kennzeichnung und Patentierung festhalten - und dass die SPD in den anstehenden Koalitionsverhandlungen mit CDU/CSU ihre bisherige gentechnikkritische Position nicht aufgibt.
Aktion: Für eine gentechnikfreie Zukunft - Copyright RAPUNZEL NATURKOST GmbH
Grafik: RAPUNZEL NATURKOST GmbH
Beziehen auch Sie Stellung! Unterstützen Sie die an Politiker adressierten Online-Aktionen Kein Freiflug für Gentechnik und Gentechnik bald auf dem Teller? Jede Stimme zählt!

Hinweisen möchten wir auch auf den von Save Our Seeds veröffentlichten Bericht mit dem Titel „Wenn Chatbots neue Sorten“ züchten, der den rasant zunehmenden Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Entwicklung gentechnisch veränderter (GV) Pflanzen beschreibt. Die neuen Möglichkeiten und Gefahren von KI-gesteuerter Gentechnik werden erläutert und der Stand der Technik in Bezug auf die Pflanzenzüchtung zusammengefasst.

Quellen und weitere Informationen:
https://www.ig-saatgut.de/, https://www.saveourseeds.org/de/, https://www.gen-ethisches-netzwerk.de/, https://www.keine-gentechnik.de/, https://www.testbiotech.org/
 
Wenn Chatbots neue Sorten züchten - Copyright Beatriz Francisco
Grafik: Beatriz Francisco

Eine Zukunft für den Grünkohl

Titelseite der Zeitschrift Gemüse (04/2025)
Titelseite der Zeitschrift Gemüse (04/2025)
Grünkohl ist ein typisches Wintergemüse und zählt vor allem im Norden Deutschlands im Herbst und Winter zur traditionellen Küche. Seit einigen Jahren findet diese Kulturpflanze zunehmend auch andere Verwendungen, zum Beispiel als Smoothie oder Chips. Nichts desto trotz ist Grünkohl bislang eine Nischenkultur, die lange züchterisch vernachlässigt wurde. Das wollen Kultursaat und die Universitäten Oldenburg und Kassel ändern und starteten im Juni 2024 gemeinsam ein auf fünf Jahre konzipiertes Projekt mit dem Titel: „Eine Zukunft für den Grünkohl – Prüfung und züchterische Weiterentwicklung von Grünkohl (Brassica oleracea convar. acephala var. sabellica) für verschiedene Anbauzeiträume unter ökologischen Anbaubedingungen“ (GRUENKOHL). Ziel des über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau finanzierten Projektes ist, das Sortenspektrum von Grünkohl durch züchterische Bearbeitung sowie mithilfe von Anbauversuchen und umfangreichen Geschmacks- und Inhaltsstoffuntersuchungen zu erweitern. Seitens Kultursaat sind die Züchter Annette Maaß am Standort Gärtnerei Kronacker, Urban Ewald am Obergrashof, Robert Hahn-Godeffroy in der Gärtnerei Marlin sowie Sebastian Vornhecke in der Gärtnerei Walsegarten beteiligt. In der April-Ausgabe der Zeitschrift Gemüse stellen Prof. Dr. D. Albach, Prof. Dr. F. Weber und M. Fleck das Kooperationsprojekt vor.

Finanzierung der Ökopflanzenzüchtung

Biozüchterinnen und -züchter entwickeln unter Ökolandbau-Bedingungen und ohne gentechnische Verfahren nachbaugeeignete, lizenzfreie Sorten. Angestrebt werden Sorten, die an lokale Boden- und Klimabedingungen angepasst sind und ohne den Einsatz von Mineraldünger und Ackergiften gute Erträge bringen. Durch ihre Leistungen bewahrt die Ökozüchtung damit kostbare genetische Ressourcen und stellt vor dem Hintergrund der drohenden Deregulierung von Gentechnik-Pflanzen (siehe oben) eine zentrale Säule zur Sicherung einer gentechnikfreien Bio-Branche dar. Die hohe Bedeutung der Ökopflanzenzüchtung spiegelt sich jedoch nicht in den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln wider. Auch wenn jedes Jahr beachtliche Spendenbeträge zusammenkommen, ist Biozüchtung nach wie vor chronisch unterfinanziert. Ina Hiester stellt im Heft 01/2025 der Zeitschrift Ökologie & Landbau das Suchen der Bio-Branche nach tragfähigen Formen der Finanzierung dar. Dabei geht sie u.a. auf das Konzept einer Pool-Finanzierung ein. Die Idee: den gesamten Lebensmitteleinzelhandel als letzte Stufe der Wertschöpfungskette verpflichten, sich mit einem festen Anteil seines (Bio-)Umsatzes an der Finanzierung der Biozüchtung zu beteiligen – ein vielversprechender Ansatz, wie wir finden!
Titelseite der Ökologie & Landbau (01/2025)
Titelseite der Ökologie & Landbau (01/2025)

Termine

Jungpflanzenverkauf der Lebensgemeinschaft Bingenheim
Donnerstag, den 24. bis Samstag, den 26. April 2025
Jungpflanzenmarkt der Lebensgemeinschaft Bingenheim mit Saatgut-Verkaufsstand der Bingenheimer Saatgut, jeweils 10:00 bis 17:00 Uhr.
Weitere Informationen unter: www.lg-bingenheim.de

Ort: Bingenheim, Hessen
„75 Jahre Pflege an der Erde“
Samstag, den 26. April 2025
Frühlingsfest zum Jubiläum der Lebensgemeinschaft Bingenheim mit Jungpflanzenmarkt, Tag der offenen Tür der Bingenheimer Saatgut und Aktionen rund um den Demeter-Impuls. Auch Kultursaat wird mit einem Infostand vertreten sein. 10:00 bis 17:00 Uhr.
Weitere Informationen unter: www.lg-bingenheim.de

Ort: Bingenheim, Hessen
Öko-Feldtage
Mittwoch, den 18. bis Donnerstag, den 19. Juni 2025
Alternativ zu den Züchtungs- und Sortentagen und nach der erfolgreichen Teilnahme 2022 und 2023 beteiligt sich Kultursaat auch 2025 wieder an den Öko-Feldtagen. Sie finden Kultursaat am Infostand des Dachverbandes ökologische Pflanzenzüchtung in Deutschland. Kommen Sie mit uns über die biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung ins Gespräch.
Weitere Informationen unter: www.oeko-feldtage.de

Ort: Wurzen, Sachsen
Großes Sommerfest zum 75. Jubiläum der Lebensgemeinschaft Bingenheim
Samstag, den 28. Juni 2025
Gemeinsam mit Freunden und Partnern, darunter Kultursaat und Bingenheimer Saatgut, wird ein buntes Programm von 10:00 bis 17:30 Uhr angeboten.
Weitere Informationen unter: www.lg-bingenheim.de

Ort: Bingenheim, Hessen
Sommertreffen des Initiativkreises
Freitag, den 18. bis Sonntag, den 20. Juli 2025
Das Sommertreffen des Initiativkreises für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem und organischem Anbau wird in diesem Jahr in Bingenheim stattfinden. 

Ort: Bingenheim, Hessen
Kultursaat e.V.
Züchtungsforschung, Kulturpflanzenentwicklung
und -erhaltung auf biologisch-dynamischer Grundlage

Kronstraße 24 ▪ 61209 Echzell ▪ Tel. 06035 60498-60
kontakt@kultursaat.orgwww.kultursaat.org

Vereinsregister Friedberg VR 2188

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